WLV – Ein Interview mit Hans-Ulrich Krause

Herr Krause, was heißt WLV und wofür steht der Verband?
Hans-Ulrich Krause: WLV heißt »Westfälisch-Lippischer Verband der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im evangelisch-kirchlichen Verwaltungsdienst«. Gegründet wurde der WLV im Jahr 1905 und hat damit bereits eine über 100-jährige Tradition.

Wenn wir Kolleginnen und Kollegen auf eine Mitgliedschaft im WLV ansprechen, fragen wir immer, ob sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht haben, wie die Regelungen für ihre Arbeitszeit, ihren Urlaub oder ihr Gehalt entstehen. Und wer sich dafür einsetzt, dass auch die Mitarbeitenden im kirchlichen Bereich nicht von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt werden. Auch ihre zusätzliche Altersversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Für diese Arbeitsbedingungen, die Gehaltsentwicklung und die zusätzliche Altersversorgung setzt sich der WLV ein. Wenn es z. B. um die Gestaltung von Arbeitsrecht oder Entgeltverhandlungen geht, sitzen Mitglieder des WLV direkt mit am Verhandlungstisch, da der WLV aktiver Teil des Dritten Weges in der Arbeitsrechtlichen Kommission ist. Die Interessen der einzelnen Berufssparten innerhalb der kirchlichen Dienste nehmen Berufsverbände und Fachgruppen wahr. Der Westfälisch-Lippische Verband übernimmt diese Aufgabe für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im evangelisch-kirchlichen Verwaltungsdienst.

Der WLV weiß sich dem Auftrag von Kirche und Diakonie verpflichtet, ohne dabei zu übersehen, dass die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ohne wirksame Interessenvertretung zu sichern sind. Deshalb ist der WLV auch Mitglied des Verbandes kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rheinland-Westfalen-Lippe (VKM-RWL), ein Verbund, in dem die Interessen aller kirchlichen Mitarbeitenden vertreten werden. Aber auch für die ganz persönliche Beratung und die Vertretung in Fragen des speziellen Dienstverhältnisses steht der WLV bei Bedarf zur Verfügung, bis hin zur gerichtlichen Durchsetzung berechtigter Ansprüche. Die WLV-Mitgliedschaft beinhaltet deshalb auch eine entsprechende Rechtsschutzversicherung. Es gibt also gute Gründe für eine Mitgliedschaft im WLV.

Seit wann sind Sie dabei, was umfasst Ihre Aufgaben dort?
Ich bin seit 1994 Mitglied im Verband. Seit dem Jahr 2000 darf ich Vorsitzender des WLV sein. Das Amt bedingt eine Vielzahl von unterschiedlichen Tätigkeiten. Neben den verbandsinternen Aufgaben wie z. B. die Leitung von Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen ist mit dem Amt auch eine Mitgliedschaft in der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen verbunden.

Wie sind Sie dazu gekommen, ehrenamtliche Aufgaben beim WLV zu übernehmen?
Wie das halt so läuft – erst reicht man den kleinen Finger und dann ist der ganze Arm weg. Nein ernsthaft – ich hatte schon vor meiner Zeit bei der Kirche Interesse an den Belangen von Mitarbeitenden. Und als mich dann ein Kollege auf eine Mitgliedschaft im WLV ansprach, war ich sofort dabei. Und das hat sich dann entwickelt. Zunächst habe ich im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit mitgewirkt. Dann war ich für sechs Jahre Mitglied im Vorstand des VKM-RWL und hier als Schatzmeister für die Finanzen zuständig. Als Vorsitzender des Verbandes bin ich jetzt schon seit über 14 Jahren tätig. Und es macht mir immer noch viel Spaß. Das ist neben einer Grundhaltung für die Sache an sich ein wichtiger Aspekt. Wenn ich keine Freude bei der Verbandsarbeit hätte, wäre ich sicher nicht mehr dabei. Wichtig ist auch, dass man in einem guten Team arbeiten kann, in dem alle gemeinsam mit anpacken. Da sind wir dann auch bei einem wesentlichen Aspekt – den Kolleginnen und Kollegen. Ich habe im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und auch Freundschaften schließen können. Das macht ehrenamtliche Arbeit aus und verbindet für die Erreichung der gemeinsamen Ziele. Der WLV ist hier wirklich eine starke Gemeinschaft für die Interessen kirchlicher Mitarbeitender.

Ganz aktuell: Was waren oder sind die Pläne des WLV im laufenden Jahr?
Ein Ziel ist bereits erreicht – eine adäquate Entgelterhöhung für die Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie. Mit dem aktuellen Abschluss zur Anpassung der Bezüge ist es gelungen, an der allgemeinen Gehaltsentwicklung dran zu bleiben. Schön wäre auch, wenn sich noch mehr Mitarbeitende zu einer Mitgliedschaft in unserem Berufsverband entschließen würden. Das könnte unseren gemeinsamen Interessen noch mehr Gewicht verleihen. Außerdem wird es immer schwieriger, Kolleginnen und Kollegen für die ehrenamtliche Mitarbeit im Verband zu gewinnen. Hier wären für die Zukunft auf jeden Fall auch jüngere Mitarbeitende gefragt.

Finden Sie neben Ihrem Job hier als Vorstandsassistent, Ihrer Familie und dem Ehrenamt auch noch Zeit für Hobbys?
Für einen geselligen Skatabend, die wöchentliche Rückenschule oder eine Runde mit dem Motorrad findet sich immer noch Zeit, auch wenn das Motorrad sicher noch einige Kilometer mehr aushalten würde - der Fahrer übrigens auch …

Organisierte Kolleginnen und Kollegen zufriedener !

 

Gewerkschaftsmitglieder sind mit ihrer Arbeit zufriedener als nicht
organisierte Beschäftigte. Das zeigt eine international vergleichende Studie.

 

Arbeitnehmerorganisationen sollen für mehr Arbeitszufriedenheit sorgen.
Schließlich erhöhe gewerkschaftliches Engagement die Verhandlungsmacht der
Beschäftigten und damit die Chancen auf bessere Arbeitsbedingungen, schreiben
Chiara Paola Donegani von der Katholischen Universität Mailand und Stephen
McKay von der Universität Birmingham. Etliche empirische Studien seien jedoch
in der Vergangenheit zu dem Ergebnis gekommen, dass Gewerkschaftsmitglieder
unzufriedener sind als Nichtmitglieder. Eine mögliche Erklärung: Unzufriedene
Arbeitnehmer hätten einen besonders großen Anreiz, einer Gewerkschaft
beizutreten.

 

Donegani und McKay liefern in ihrer europaweiten Vergleichsstudie eine
andere Erklärung: Sie bezweifeln die Gültigkeit der bisherigen empirischen
Befunde. Die Sozialwissenschaftler kritisieren, dass die Forschung sich bislang
fast ausschließlich auf englischsprachige Länder konzentriert habe und daher
kaum generalisierbar sei. Um zu aussagekräftigeren Ergebnissen zu kommen, haben
sie Daten des European Social Survey analysiert. Ihre Berechnungen basieren auf
Interviews mit insgesamt 29.000 Beschäftigten aus 18 europäischen Ländern. Das
Ergebnis: Im Allgemeinen geht die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft mit mehr
Arbeitszufriedenheit einher. In Staaten mit einem hohen gewerkschaftlichen
Organisationsgrad, so Donegani und McKay, sei auch das Zufriedenheitsniveau der
Arbeitnehmer tendenziell höher. Zudem seien Gewerkschaftsmitglieder in den meisten
Ländern mit ihren Jobs zufriedener als Nichtmitglieder. Auch wenn der Einfluss
beruflicher oder persönlicher Merkmale herausgerechnet wird, hat
gewerkschaftliches Engagement den Berechnungen zufolge einen signifikant
positiven Effekt auf die Arbeitszufriedenheit.

 

Quellen:Chiara
Paola Donegani, Stephen McKay:
Is there a paradox of lower job satisfaction
among trade union members?
European evidence, in: Transfer 4/2012

 

Also wieder ein gutes Argument für eine Mitgliedschaft im WLV!